Home
Fotos
Über Micki
Micki Solokabarett
Selbsthilfekabarett
Kabarett "K 3"
Böhmer & Wohlfahrt
Wat Is KircheImPott?
Die Kolumnen
Wat Sache is
Kultur auffem Hügel
Kockpott & Kodder
Ortsbesichtigungen
Links
Impressum

 

Kirchenkabarettist Micki Wohlfahrt  

 

"Wir können es noch gar nicht fassen: Unser Freund und Kirchenkabarett-Kollege Micki Wohlfahrt aus Witten ist plötzlich und ohne Vorwarnung am 26.4.2016 verstorben! 

Micki wurde nur 57 Jahre alt, er war höchst lebendig, steckte voller Pläne und er war sehr Vielen ein ganz wichtiger Mensch, guter Freund und verlässlicher Kollege. Er ist abends friedlich eingeschlafen und morgens nicht mehr in dieser Welt aufgewacht. „Einfach weggepennt“, hätte er dazu wahrscheinlich gesagt. Und wir stehen jetzt da, so wie wir Hessen sagen: „Wie es Kind beim Dreck“: fassungslos und bestürzt.

 

Wir kennen Micki seit dem Evangelischen Kirchentag 1999 in Stuttgart. Nach einem eher mittelprächigen Auftritt saßen wir mit hängenden Ohren im Kirchen-Kabarett-Zentrum und Micki sprach mich auf den Frank-Zappa-Aufkleber auf meinem Auto an. Er hatte eine stattliche Plattensammlung von ihm, hatte Zappa zweimal live gesehen (worum ich ihn immer beneidet habe) und hat mir mal eine Zusammenstellung seiner Lieblingssongs auf Musikkassette geschenkt (wofür ich ihm immer dankbar sein werde). Clajo und ich waren damals Anfänger und unserer Sache nicht sehr sicher und ich fühlte mich unter den gestandenen Kolleginnen und Kollegen der anderen Kabarettgruppen etwas unsicher. Micki nahm uns die Scheu, er war nett und freundlich und kollegial. Er war ein Mannschaftsspieler, kein Künstlersensibelchen, sondern Humorarbeiter mit einer hohen sozialen und organisatorischen Kompetenz. Von Beruf war er Sozialarbeiter und im Kirchenkreis für Jugendarbeit zuständig. Zusammen mit seinem Kollegen Thorsten Schröder gründete er das „Klerikale Kabarett Kommando“ kurz „K3“ genannt, das seit 1998 viele hundert Male im gesamten Bundesgebiet aufgetreten sind, 13mal davon in Babenhausen und zweimal in Schwanheim, wo ich jetzt Pfarrer bin.

 

Doris, Clajo, Thorsten, Micki und ich entwickelten an diesem ersten Abend – es war warm und wir saßen bei ein paar Bier draußen an der frischen Luft - die Idee, in unserer damaligen Kirchengemeinde Babenhausen ein Kirchenkabarett-Festival auf die Beine zu stellen. Gesagt getan, im Jahre 2000 war es soweit, das erste Festival wurde in Babenhausen ein großer Erfolg. Sieben weitere sollten noch folgen mit insgesamt tausenden von Besucher*innen und ganz viel Spaß und ordentlich Einnahmen für die Gemeinde.

Damals lernten wir auch Ulrike Böhmer kennen, die seinerzeit noch bei den „Klatschweibern“ war. Es entwickelte sich zwischen uns eine langjährige Künstlerfreundschaft, die bei Festivals und Kirchentagen immer wieder neu belebt worden ist. Besonders schön waren unsere „Mini-WG's auf Zeit“, wenn wir im Pfarrhaus alle zusammen kampierten, uns die Nächte um die Ohren schlugen und allerhand weggequatscht haben.

Micki war dabei eine ganz wichtige, eine echte Schlüssel-Person. Er kannte buchstäblich Hinz und Kunz in der Szene, hat vielen Leuten Tipps gegeben und war immer für Kooperationen jedwelcher Art zu haben. In seiner eigenen Gemeinde hat er über viele Jahre äußerst erfolgreich Kulturarbeit gemacht und sehr viele Kolleginnen und Kollegen unterstützt und inspiriert. Er war ein Netzwerker und Idealist. Es war z.B. seine Idee, ehrenamtlich eine Internetplattform praktisch aller deutschsprachigen Kirchenkabarettist'innen zu machen: www.kirchenkabarett.info,oder bei der „Honnefer Zündkerze“, dem einzigen deutschen Kirchenkabarettpreis mit zuarbeiten, oder Nachwuchstalente zu fördern und ihnen Auftrittsmöglichkeiten zu geben...... Natürlich ist er dabei nicht reich geworden. Zum Reichwerden hatte er überhaupt kein Talent und es hat ihn ja auch gar nicht wirklich interessiert. Sein Reichtum war Beziehungsreichtum und davon hatte er jede Menge. Micki war ein echtes Kind des Ruhrgebietes, er hat Werte wie Solidarität und Nächstenliebe nicht als linksakademische Monstranz vor sich hergetragen, er hat sie ganz einfach gelebt. Er war einer von den Guten.

 

An seiner Kirche hat er auch schon mal gelitten. Kürzungspolitik und Pfarrherrenarroganz haben ihm sein Evangelisch-Sein gelegentlich sauer werden lassen, aber vom Glauben abgefallen ist er nie. Er war ebenso tief fromm wie weltoffen. Von seiner Sorte bräuchten wir mehr, es gibt nämlich zu viel von der anderen.

 

Er ist am Tschernobyltag gestorben. Ich habe diesen Scheißtag schon immer gehasst. Jetzt habe ich noch einen Grund mehr dazu.

 

Hömma Micki, wat soll dat?


Du kannst Dich doch nicht einfach davon machen und uns mit all den Blödmännern hier allein lassen! Wir haben Dich doch noch gebraucht. Jetzt sitzen wir da und weinen..... Und Du? Was machst Du jetzt? Ein Kabarett-Festival organisieren da oben? Statt "Kultur auffem Hügel" jetzt "Kultur inne Himmel"?
 

Vielleicht sitzt du jetzt dort mit deinem zerknitterten Gesicht, legst den Kopf ein bisschen schief und lächelst dein Micki-Lächeln. Ein bisschen freches Kind lugt da hervor und eine Prise milder Spott, der immer da war, aber niemals verletzte, weil man ja stets gemerkt hat wie lieb Du uns alle hattest.

 

Ach, Mensch Micki! Mach et jut.............
Du fehlst uns so sehr! 
Wir hoffen, es geht Dir gut. Etwas anderes hast Du echt nicht verdient............"

 

Hans-Joachim Greifenstein (www.pfarrerkabarett.de)

28.4.2016