IMAGE KOLUMNE NR. 11 / DEZEMBER II 2007

Herbede und  Weihnachten

Weltweit wird es gefeiert – das Weihnachtsfest. Und weltweit wird in hunderten von verschiedenen Sprachen die Weihnachtsgeschichte zu diesem Anlass verlesen. Und deshalb hat die Weihnachtsgeschichte hier jetzt auch an dieser Stelle ihren Platz. Ich habe meinen alten Freund Karl Koslowski (ausgebildeter Laienprediger zur Rettung des Ruhrgebiets) aus Gelsenkirchen-Ückendorf gebeten, die Weihnachtsgeschichte einmal verständlich zu erzählen. Und hier ist sie nun – die Weihnachtsgeschichte nach Karl Koslowski!

Also, dat war damals, als dieser römische Kaiser – watte ma, wie hieß der noch – Marius, Julius, ne Augustus, genau, als dieser Augustus da Chef vom ganzen Reich war. Und der hat nix besseret zu tun, als ma ebens sonne Volkszählung zu erfinden. Jezz musste jeder, auch unser Joseph, an seinen Geburtsort zurückpilgern. Dat hieß für den Joseph, dat der jezz von diesem Nazareth in Gallamäa zu Fuß sich einen abstrampeln konnte bis hin nach diesem Bethlehem in Judäa – nur für sonne Registratur für diesen Augustus mit seine Volkszählung. Ja und ma eben innen Golf gesetzt und Kamener Kreuz rechts runner – hömma, dat gab dat da noch nich! Und jezz kam ja noch erschwerend hinzu, dat die Maria, seine Frau, auch noch mit musste. Dat wär ja nich so schlimm, nur die Maria war kurz vor de freudige Erwartung, also die hatte schon nen ganz schön dicken Bauch! Dat die damals für sonne Fälle nich nen Fahrdienst vonne Krankenkasse aus eingerichtet haben – glaubse – aber war bestimmt wie heute auch bei sonne Gesundheitsreform gestrichen worden.

Auf jeden Fall konnte dat mitte Geburt ja jezz jeden Augenblick losgehen. Ich mein, mit Marienhospital und Diakonissenkrankenhaus, dat konnze abhaken, weil gabs ja noch nich. Die haben in diesem Bethlehem ja noch nich ma wat zum Übernachten gekriegt. Da mussten die dann tatsächlich in sonne Hucke absteigen, wat eigentlich mehr für dat Vieh gedacht war.

Und in diese spärliche Einrichtung hat die Maria dann ihren Sohn zur Welt gebracht, in Windeln gewickelt und weil nix anderet da war in eine Futterkrippe gelegt – weil Erstausstattung von Milupa gab dat ja auch noch nich!

Auf jeden Fall warn inne gleiche Gegend da nachts auch Hirten auffem Feld, die auf ihre Herde am aufpassen waren. Und plötzlich war nix mehr mit stockfinster auffem Feld, da war dat tachhell und da haben die Hirten natürlich erstma Schiss gekriecht. Dat is ja normal – überlech ma, du würdst, ohne dasse dat wissen tust, nachts auffem Rasen vonnem Parkstadion sitzen und plötzlich ging dat Flutlicht an! Da weiss du doch auch nich wat Sache is!

Aber gottseidank war dat hier auffem Feld der Engel und der sachte zu de Hirten: „Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids!“ Und der Engel erzählte den Hirten vom Kind inner Krippe und immer mehr himmlische Heerscharen lobten und sangen: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens!“. Ja, dat war nich nur quasi son Betriebsausfluch vonn alle Engel da, dat war auch gleichzeitig dat erste Open-Air-Konzert, wat da in Bethlehem stattgefunden hat.

Und als die Engel dann wech warn haben die Hirten nich nur keine Angst mehr gehabt – hömma, die sind sofort los und fanden allet so, wat der Engel ihnen so erzählt hat. Und die Hirten erzählten de Leute allet, wat der Engel ihnen über dieset Kind gesacht hat und die Leute wunderten sich über dat, wat die Hirten ihnen erzählt hatten. Nur Maria behielt alle diese Worte vonne Hirten und bewegte sie in ihrem Herzken.

Ja, dat war de Weihnachtsgeschichte. Wenn de mich frachst – viel zu Schade für nur einmal im Jahr reinzugucken – weil Weihnachten is doch eigentlich jeden Tach!

Frohe und gesegnete Weihnachten und ein gutes Jahr 2008 wünscht

Micki Wohlfahrt              

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