IMAGE KOLUMNE NR. 9 / NOVEMBER 2007
Herbede und der Streik bei der Bahn
Manchmal beschäftigen einen ja bestimmte Sachen fast mehr im Schlaf als im Wachsein. Also ich rede jetzt vom Träumen. Da sehe ich mal wieder im Fernsehen, wie der Zugverkehr durch den Streik der Lokführer stark beeinträchtigt wird. Und dann döse ich mit dieser Information ein und auf einmal läuft da in meinem Kopf ein Film ab. Eskalation im Bahnstreik! Totales Chaos in Herbede, obwohl es ja hier gar keinen Bahnhof gibt! Was war passiert? In meinem Traum wurde der Streik nämlich auf sämtliche Züge ausgeweitet! Das fing im November dann an. Kein St. Martinszug durch Herbede! Stattdessen Streikposten mit Schildern wie: „Lasst jetzt die Laternen aus, dann geht bei der Bahn das Licht nicht aus!“. Dann sollte der Museumszug bestreikt werden, der fuhr aber gar nicht, war schon im Winterschlaf. Als nächsten Schritt wurden in Herbede dann alle Umzüge bestreikt. Also jede/r Einwohner/in die hier wegwollte musste hier wohnen bleiben. Hatte den positiven Nebeneffekt, dass die Einwohnerzahlen in Witten nicht zurückgingen und man den Status einer Großstadt halten konnte. Der Turnunterricht an den Herbeder Schulen wurde komplett eingestellt, weil keine Klimmzüge mehr durchgeführt werden durften. Zugvögel am Kemnader Stausee durften diesen nicht mehr anfliegen, um nicht als Streikbrecher verhaftet zu werden. Dann weitete sich die ganze Aktion auf alle in Herbede vorhandenen Aufzüge aus. Vor den Aufzügen kleine Hinweisschilder: „Oh Mensch willst du in diesem Haus hoch hinaus, nimm die Treppe, denn der Fahrstuhl der ist aus!“. Danach hat man dann jegliche Form von Durchzug bestreikt was den Vorteil hatte, dass es wesentlich weniger Erkältungen gab. Aber nur kurzfristig, weil dann ja alle Bettbezüge in jedem Herbede Haushalt in den Streik mit einbezogen worden sind. Da mussten die Leute dann mehr heizen, was die Energieversorger schon geahnt hatten und die Preise kräftig erhöhten. Nur hatten die sich zu früh gefreut, weil ja direkt danach das Lastschrifteinzugsverfahren bei den Banken bestreikt wurde, da konnten die gar kein Geld kassieren! Und hier endet nun völlig überraschend und plötzlich der Traum. Ende, fertig, aus!
Jetzt wird sich manch/e Leser/in zu Recht fragen: wie kann man denn nur auf solche abgedrehten Gedanken kommen? Eine berechtigte Frage. Die einfache Antwort: wenn du am Vorabend einen Zug durch die Gemeinde gemacht hast, morgens noch unter Entzug von klarem Denken stehst, du mit dem Schreiben schon im Verzug bist, den Bezug noch nicht klar hast und dann noch zu morgendlicher Stunde im Radio der alte Christian Anders Schlager „Es fährt ein Zug nach nirgendwo“ läuft – dann kann so ein Text dabei herauskommen. Wobei mir jetzt gerade auffällt: mit einem Remix des alten Schlagers könnte die Gewerkschaft der Lokführer doch eigentlich die Streikkasse wieder auffüllen – kümmere mich mal drum – zügig!