IMAGE KOLUMNE NR. 15 / APRIL 2008
Herbede und die Überwachungskameras
Da ist im Lande ja mal wieder ein Thema vor der Kameralinse aufgetaucht, was uns alle betrifft: Überwachungskameras in Discounterläden! Falls es Menschen geben sollte, die von dem Thema noch nichts mitbekommen haben sollten: es geht hier nicht um neue Sketche für die „Versteckte Kamera“ oder „Upps – Die Pannenshow“ – schicken Sie uns ihre besten Homevideos! Hier geht es um die heimliche Bespitzelung von Mitarbeiter/innen durch versteckte Kameras nach dem System LAUTLOS-INDISKRET-DATENERFASSENDE-LUSTMOLCHE, kurz LIDL genannt. Und dieses System haben wohl mehrere Discounter in ihren Läden eingesetzt! Und jetzt fragt man sich ja: was steckt dahinter? Ich habe da eine Theorie. Wenn du als Staat ja immer mehr Gesetze erlässt, wo Überwachung und Datenerfassung zulässig ist, dann entsteht doch irgendwann auch zwangsläufig ein privater Markt für solche Erfassungssysteme! Und das ist natürlich für Discounter sehr interessant, weil die dann solche Systeme ihren Kunden anbieten wollen, um da natürlich Geld mit zu verdienen. Und bevor das auf den Markt geht, haben die das an den eigenen Mitarbeitern angetestet. Das private Überwachungssystem für den alltäglichen Bedarf! Das wird dann vermutlich DISCOUNT heißen – Direkte Intime Schnelle Creative Observation Und Nahtlose Tagesüberwachung! Wenn du dann eines Tages 500000 Überwachungskameras in jedem Winkel von Herbede haben solltest und du auf alle diese Kameras Zugriff hast – dann hast du auch ganz andere Möglichkeiten! Beispiel:
Else aus Durchholz hat sich das Überwachungssystem DISCOUNT, Ausgabe Herbede Spezial, zugelegt. Nun sitzt sie vor ihrem Computer und sieht plötzlich durch Überwachungskamera 17652, das gerade Joghurts zum Sonderangebotspreis in einem Supermarkt in Herbede ins Regal gestellt werden. Per Funk lotst sie jetzt ihren Herbert im Auto, damit der sich dieses Angebot sichert. Auf der Hinfahrt warnt Ü-Kamera 21678, dass sich auf der Vormholzer Straße eine Radarfalle befindet. Meldung per Funk an Herbert. Beim Umschalten sieht Else durch Ü-Kamera 97654, wie Frau Messerschmidt am Geldautomaten 200 Euro abhebt und dabei ihrer Nachbarin erzählt, gleich fünf Paletten Joghurts im Angebot zu kaufen. Meldung an Herbert er soll Tempo machen, aber erst nach der Radarfalle. Schnelles Umschalten auf Ü-Kamera 64539 um zu gucken, ob Herbert im Umfeld des Supermarktes noch einen freien Parkplatz finden kann. Parallel Ü-Kamera 79564 im Auge behalten um zu sehen, wie weit sich Frau Messerschmidt dem Supermarkt schon genähert hat. Herbert erreicht bei Ü-Kamera 37699 freien Parkplatz, verlässt das Auto und Else kann ihm beruhigt mitteilen: Vorsprung vor Frau Messerschmidt satte 50 Meter! Else schaltet um auf Ü-Kamera 55434 im Eingangsbereich des Supermarktes. Frau Messerschmidt ist noch nicht zu sehen. Aber was macht Herbert da? Er bleibt beim Werbestand für Jamaika-Rum bei den attraktiven karibischen Werbefrauen stehen und lässt sich erst einmal einen Probebecher kredenzen. Per Funk versucht Else einzugreifen, sieht aber im gleichen Moment auf dem Bildschirm, wie Herbert die Batterien aus dem Funkempfänger entfernt – um dann anschließend grinsend in die Ü-Kamera zu prosten. Im gleichen Moment rauscht Frau Messerschmidt mit ihrem Porreeporsche an ihrem Herbert vorbei. Fazit: Manch scheinbar technischer Fortschritt kann sich schneller als man denkt als menschlicher Rückschritt herausstellen!