IMAGE KOLUMNE NR. 22 / DEZEMBER I 2008
Herbede und die Bürgschaft für die Bürgerschaft
Da soll noch einmal einer sagen die Politik wäre nicht flexibel. Endlich wird der Bürger wieder ernst genommen und der Staat bürgt für seine Bürger. Das ist doch toll! Gut, Herbede ist jetzt nicht so ein milliardenschweres Unternehmen, was sich verplant, verspekuliert, verzockt oder sonst was hat. Aber auch hier gibt es Einzelfälle, die sich schnell zu einer Gesamtkrise für Herbede ausweiten könnten, falls der Staat nicht mit einer Bürgerschaft unter die Arme greift. Und deshalb habe ich bei der Bundesregierung jetzt auch eine Bürgschaft beantragt. Erst einmal für einen konkreten Fall. Falls ihr noch weitere Fälle in Herbede kennen solltet, könnt ihr den nachfolgenden Brief ja einfach als Vorlage nehmen und dann ab damit nach Berlin zur Bundesregierung. Aber nun der Antrag auf eine Bürgschaft:
Liebe Angela Merkel, lieber Peer Steinbrück!
Hiermit beantragen wir eine Bürgschaft für Kalle aus Herbede zur Abwendung einer Insolvenz, die weitreichende Folgen für die Bürgerschaft in Herbede hätte – bis hin zu möglicher Weise weltweiten Auswirkungen. Hintergrund: Kalle ist das umsatzstärkste Einzelunternehmen im Bereich „Verkonsumierung von alkoholischen Getränken in Herbede“. Mittlerweile sind bei Kalle aber erhebliche Außenstände zur Begleichung der verkonsumierten Getränke aufgelaufen (so genannte „Deckel“) und damit ist die Gefahr einer Insolvenz sehr akut – mit weitreichenden Folgen für den Wirtschaftsstandort Herbede. Werden diese „Deckel“ nicht mit einer Bürgschaft Ihrerseits abgedeckelt, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben! Mehrere gastronomische Betriebe in Herbede würden in die Pleite gehen, Arbeitsplätze gingen verloren, Steuerausfälle drohen! Und nicht nur das. Die gesamten Zulieferer würden mit in die Krise gerissen: Schnitzel-Peter, Döner-Ali, Gyros- Christos – um nur ein paar zu nennen. Das gleiche Schicksal würde Getränke-Manni und Petras-Getränke-Tankstelle widerfahren! Aber damit nicht genug. Würde der Wirtschaftsstandort Herbede zusammenbrechen, wären auch alle regionalen und bundesweiten Getränke- und Lebensmittelproduzenten mit in diesem Abwärtsstrudel verwickelt! Und wenn dies so kommen sollte braucht man kein Prophet sein, dass dies dann Konsequenzen für den weltweiten Markt haben wird, eine Rezession würde bedrohlich vor der Haustüre stehen! Deshalb liebe Regierung: Bürgschaft für Kalle! Damit die Wirtschaft flüssig weiterläuft! Und wenn das dann alles funktionieren sollte gibt es bei euren Wahlkampfauftritten zur Bundestagswahl in Herbede im nächsten Jahr dann auch eine Runde Freibier – versprochen!