IMAGE KOLUMNE NR. 13 / FEBRUAR 2008
Herbede und die Wahl in Hessen
Was haben Herbede und die Hessenwahl denn jetzt miteinander zu tun? Ich fang mal so an: erst einmal scheint der eine Kandidat ausgeKOCHt zu haben und der anderen Kandidatin kann man kein X mehr für ein Ypsilanti vormachen! Tut hier aber nichts zur Sache. Spannender ist da viel mehr die Tatsache, dass Keiner mit Keinem auf Grund des Wahlergebnisses so richtig miteinander zu tun haben will – wegen Meinungsunterschiedlichkeit. Und wer ist Schuld? Der Wähler! Es wird ja jetzt von einigen Politikern behauptet, dies sei jetzt der Wählerwille. Ist aber auch Blödsinn. Wenn dies der Wählerwille sein sollte (also der gemeinsame Wille aller Wähler), müssten sich ja alle rund vier Millionen wahlberechtigten Hessen irgendwo getroffen haben (vielleicht in Offenbach?); müssten gemeinsam abgestimmt haben, wie viele zur Wahl gehen, wer zu Hause bleibt und wie viele Stimmen auf welche Partei kommen soll! Habe ich aber nichts von gehört das dies passiert ist. Die Befürchtung an der ganzen Situation ist aber jetzt die, dass wegen der ausgeprägten politischen Kontaktallergie länger nichts passieren wird – oder wie wir hier zu sagen pflegen: hängen im Schacht!
Und das kann ja in Herbede auch passieren – bei der nächsten Wahl. Ich will das mal an einem konkreten Thema deutlich machen. Sagen wir mal Partei A, die einen großen Discounter in Herbede ansiedeln will, bekommt 33,1% der Stimmen. Partei B, die gegen einen großen Discounter in Herbede ist, bekommt 33,2%. Partei C bekommt 8,2% der Stimmen, die auch einen Discounter will, aber ohne Frischfleischtheke, dafür mit integrierter Bäckerei. Partei D bekommt 8,3% der Stimmen, die keinen Discounter will, außer wenn der Discounter den gesetzlichen Mindestlohn für Gemüsefachverkäuferinnen unter 25 Jahren garantiert und den Laden mit Ökostrom aus Sachsen-Anhalt betreibt. Partei E bekommt bei der Wahl 6,1% und würde einem Discounter nur dann zustimmen, wenn die Pappe in den angelieferten Warenkartons aus gewaltfrei gefällten Bäumen stammt. Partei F schließlich hätte 5,3% erreicht und weiß überhaupt nicht, was ein Discounter ist.
Wenn man den Wählerwillen jetzt ernst nehmen würde hieße dies konkret für einen möglichen Investor: Flexibilität! Im Verhältnis zu den erreichten Prozentzahlen müsste er nach dem Wählerwillen nämlich für 125 Tage im Jahr einen Discounter bauen; dann ruckzuck den Laden für 125 Tage demontieren, damit da nix steht. Dann für 34 Tage den Laden ohne Frischfleischtheke, aber mit Bäckerei, wieder aufbauen. Dann wieder für 34 Tage Wechsel, um auf Mindestlöhne und Ökostrom umzustellen. Danach für 25 Tage Umstellung auf die aus gewaltfrei gefällten Bäume erstellten Pappkartons, um dann den ganzen Laden wieder abzubauen und an dessen Stelle für 22 Tage einen Infotisch aufzubauen zu dem Fragenkomplex: Was ist ein Discounter? So hätte man den Wählerwillen fair auf die 365 Tage im Jahr umgesetzt. Wobei mir gerade die Fragen durch den Kopf gehen: was ist denn dann mit den Nichtwählern und vor allen Dingen: wer bekommt in einem Schaltjahr wie diesem dann den 366. Tag? Demokratie scheint manchmal kompliziert und unübersichtlich – aber: was besseres gibt es nicht – auch nicht in Herbede!