IMAGE KOLUMNE NR. 20 / OKTOBER 2008
Herbede und die Finanzkrise
Mal ganz im Ernst. Hat irgendjemand noch den Durchblick mit diesem ganzen Finanzchaos? Und was da jetzt alles ans Licht kommt? Nicht nur, dass viele Leute gar nicht wissen wie viele Nullen eine Billion hat – schlimmer ist noch die Tatsache, dass dort ja oft mit dem Geld von Anlegern auf Sachen spekuliert worden ist, wo dir die Haare zu Berge stehen, sofern du noch welche hast. Die ernsthafte Frage meinerseits ist ja nun die, ob bei uns in Herbede auch so dubiose Spekulationen gelaufen sind, wovon wir noch gar nichts wissen!
Ich will mal ein Beispiel geben. Als Kunde wird dir von deinem Finanzvernichter, ähem Finanzberater natürlich, eine supergünstige Anlageform präsentiert: „das Herbeder-Gourmet-Restaurant-Zertifikat“. Mit sagenhaften Gewinnen von 25% innerhalb eines Jahres. Jetzt denkst du dir doch als Kunde: das ist ja toll, Herbede kenne ich, hier gehen die Leute gerne mal ins Restaurant, das ist doch krisensicher, gegessen und getrunken wird doch immer, was soll da jetzt schon passieren. Was du jetzt nicht weißt ist der Fakt, dass hinter diesem Zertifikat was ganz anderes steckt. Zum Beispiel die Wette, dass der Umsatz in den Herbeder Restaurants für das Gericht „Herbeder Schnitzelteller mit Bratkartoffeln in Alufolie vom Holzkohlengrill mit frischem Gemüse aus Anbaugebieten der mittleren Mongolei“ in einem Jahr um 20% steigen wird.
Jetzt gehst du als Kunde gelassen in dieses Jahr, siehst die gut besuchten Restaurants und freust dich auf das Jahresende und deinen Gewinn in Höhe von 25%, denn du weißt ja nichts von der Wette. Und deshalb interessiert es dich als Kunde auch nicht, dass der „Herbeder Schnitzelteller“ fast gar nicht mehr in den Restaurants angeboten wird, weil es zu Engpässen in der Produktion von Tellern für Schnitzel in Rumänien kommt; die Gemüseproduktion in der mittleren Mongolei durch einen frühen Wintereinbruch vernichtet worden ist; der Preis für Aluminium auf dem Weltmarkt dermaßen gestiegen ist, dass du dir als Restaurantbesitzer keine Alufolie mehr leisten kannst und vor allen Dingen arbeitet kein Restaurant mehr mit einem Holzkohlegrill, weil keiner weiß, ob dieser nicht unter das Rauchverbot fällt. Konsequenz: der „Herbeder Schnitzelteller“ macht statt 20% Umsatzsteigerung gute 100% Umsatzrückgang. Wette verloren. Der Finanzberater hat sich verzockt. Und du fällst aus allen Wolken, dass du dein angelegtes Geld wie aus heiterem Himmel komplett verloren hast. Aber dafür darfst du dann ja mit deinen gezahlten Steuern den Arbeitgeber von deinem Finanzberater helfen, damit der nicht so pleite geht wie du. Falls das jemand als ungerecht und nicht mehr nachvollziehbar empfindet habe ich für Herbede ein tolles Anlagekonzept für euer Geld entwickelt. Völlig transparent und sofort überprüfbar und das geht so: Man(n)Frau betritt ein Herbeder Restaurant, sieht den Schreiber dieser Zeilen in dem Restaurant sitzen. Man(n)/Frau investiert nun ein Essen und mehrere Getränke in Herrn Wohlfahrt. Man(n)/Frau kann direkt überprüfen, was mit dem investierten Geld geschieht. Gut, das Geld ist dann auch weg, aber Man(n)/Frau kann mit dem guten Gefühl nach Hause gehen: verspe(c)kuliert wird hier nur der Herr Wohlfahrt!