IMAGE KOLUMNE NR. 36 / DEZEMBER II 2009
Herbede und das kleine Weihnachts-Einmaleins
Weihnachten steht vor der Tür. Gut, einige Menschen werden jetzt sagen: „Ist mir egal wer vor der Tür steht, ich lasse sowieso keinen in die Wohnung.“ Doch für alle Anderen gilt es alle Jahre wieder, sich mit diesem Ereignis auseinander zu setzen. Dabei ist es augenscheinlich, dass eine immer größer werdende Unsicherheit bei vielen Menschen um sich greift, gerade was den traditionellen Besuch eines Gottesdienstes am Heiligabend betrifft. Wie geht das? Was muss ich beachten? Wie verhalte ich mich korrekt? Deshalb an dieser Stelle eine kleine Hilfestellung, damit sich alle Beteiligten im Gottesdienst am Heiligabend besser zu recht finden.
Eine Eintrittskarte zum Gottesdienst muss nicht erworben werden. Sie sind so eingeladen. Ein Sitzplatzanspruch besteht allerdings nicht. Da Sie einen Gottesdienst besuchen und keine Showveranstaltung und Sie an einem der wichtigsten christlichen Feiertage ihrem Glauben in der Gemeinschaft Raum geben möchten, gilt hier der Satz: fest im Glauben stehen oder zeitig vor Ort sein! Ansonsten seien die Gottesdienste in den restlichen 51 Wochen des Jahres empfohlen, denn hier finden Sie in der Regel ein großzügiges Sitzplatzangebot mit freier Platzwahl. Beim Betreten der Kirche erhalten Sie Instruktionen zu den musikalischen Beiträgen in der Form eines Gesangbuches oder Liederzettels. Sie sollten jetzt nicht beginnen hektisch zu werden und Sie sollten sich in Ruhe mit der für Sie vielleicht neuen Form von Musikwiedergabe beschäftigen. Weder Gesangbuch noch Liederzettel verfügen über eine Abspieltaste und es gibt auch keine Kopfhörer. Hier gilt es selbst zu singen und die Augen-Ohr-Mund-Koordination bei sich selber zu aktivieren. Verzichten Sie auf das mitbringen von Speisen und Getränken. Ein Gottesdienst ist zeitlich überschaubar und außerdem sind keine offiziellen Picknickzonen ausgewiesen. Sollten Sie zwischenzeitlich den Begriff U-Boot-Christ wahrnehmen seien Sie nicht irritiert. Er bezeichnet lediglich die Besuchergruppe im Heiligabendgottesdienst, die das ganze Jahr in der Kirche nicht zu sehen ist und nur am Heiligabend auftaucht. Da in diesem Gottesdienst auch das Ankommen der Botschaft der Liebe in diese Welt gefeiert wird, sollte man auf Gedrängel und Stossen beim Einlass verzichten. Das blockieren kompletter Kirchenbänke durch das Auslegen des selbstgestrickten Schals und das aggressive verteidigen der Kirchenbank erinnert eher an den letzten Mallorca-Urlaub und das besetzen der Liegen am Hotelpool gegenüber den nicht gemochten Engländern, ist also nicht zu empfehlen. An dieser Stelle kann man außerdem beruhigt sein. In der Regel sind bisher kaum Engländer in deutschen Heiligabendgottesdiensten gesichtet worden. Äußerungen wie „die blöde Kuh hat mir den Sitzplatz weggenommen“ oder ähnliche Anmerkungen gegenüber anderen Besuchern sind nicht angebracht. Sie erwecken bei den um sie herumstehenden Gottesdienstbesuchern eher den Eindruck, dass sie sich verlaufen haben und eigentlich zur Aufzeichnung einer Talkshow im Nachmittagsbereich zu einem Privatsender wollten. Falls Sie nach diesen Tipps immer noch unsicher sein sollten: fragen Sie ihren pastoralen Dienstleister vor Ort, der hilft Ihnen gerne weiter.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest 2009 und einen guten Start in das Jahr 2010.