IMAGE KOLUMNE NR. 29 / JUNI 2009
Herbede und die Wahlkampfzeit
Es geht wieder los! Wahlkampfzeit „made in Germany“. Und dieses Jahr gibt es sogar innerhalb von vier Monaten den „Triple-Wahlkampf“, vermutlich eine Erfindung von fußballbegeisterten Politikern, die auch mal Meisterschaft, Pokal und Championsleague in einem Jahr gewinnen wollen. Gut, man hätte die drei Wahlen wegen Kostenersparnissen ja auch an einem Tag machen können. Aber das wäre ja nur in wirtschaftlich schlechten Zeiten nötig, da sind wir ja noch weit von weg. Zumindest dürften sich die gesundheitspolitischen Sprecher der Parteien freuen, dass manche Wählerinnen und Wähler dann zumindest an drei Tagen in die körperliche Bewegung gekommen sind – es sei denn sie machten Briefwahl. Als mündiger Bürger ist es aber auch gut, dass die Wahlen an verschiedenen Terminen sind, sonst kommt man noch ganz durcheinander, die Begrifflichkeiten sind ja so ähnlich: Europawahl, Kommunalwahl, Bundestagswahl – in jedem Wort kommt zweimal der Buchstabe „A“ vor, wie soll man das denn dann unterscheiden? Dafür stehen einfach zu wichtige Themen an: Finanzkrise, Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit, Klimawandel und vieles mehr. Und dann stellte ich mit Entsetzen fest, das mir das wichtigste Thema noch gar nicht richtig präsent war! Wie gut das mich da eine der wohl etabliertesten Parteien (sie sei aus Taktgründen an dieser Stelle nicht erwähnt) auf dieses Thema von nationaler und internationaler Tragweite aufmerksam gemacht hat: der Brötchen- und Blumenverkauf am Ostersonntag, Pfingstsonntag und 1. Weihnachtstag! Dieser hat bisher wegen der gesetzlich geregelten Ladenöffnungszeiten nämlich nicht stattgefunden und dies muss nun schleunigst verändert werden – so die politische Forderung. Also, liebe Herbederinnen und Herbeder, demnächst beim Straßenwahlkampf nicht erschrecken, wenn ihr die obligatorische Blume in Verbindung mit einem Sechskorn-Brötchen, belegt mit Wurst oder Käse (obwohl besser keinen Käse, könnte mit der Idee in Verbindung gebracht werden) in die Hand gedrückt bekommt. Stattdessen einfach mal positiv auf die Idee einsteigen und am Wahlstand dieser Partei kräftig mitdebattieren: „Brötchen am 1. Weihnachtstag finde ich total gut, an Weihnachten gibt es ja sowieso schon kaum was zu essen! Und wenn ich am Heiligabend vorher um 14 Uhr noch Brötchen kaufe und dann nur 16 Stunden bis zu den nächsten frischen Brötchen warten muss – ist doch toll! Als Brötchenabhängiger geht mein Krümmelspiegel dann auch nicht so in den Keller!“ Vielleicht als Wähler am Stand der Partei dann auch mal nachfragen, ob es am Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober besser nur komplette Brötchen geben sollte, weil zwei Brötchenhälften wären wegen der Symbolik doch wohl eher kontraproduktiv. Falls die geneigte Leserin, der geneigte Leser, jetzt zu dem Eindruck kommen sollte, dass der Schreiber das Thema nicht ganz ernst nimmt – Vollkornsemmel, meine natürlich Volltreffer. Nichts gegen Brötchen, aber die wichtigen Themen liegen doch woanders, damit nicht immer mehr Leute „kleine Brötchen backen müssen“. In diesem Sinne allen Wählerinnen und Wählern eine gute Mahlzeit – natürlich Wahlzeit!