IMAGE KOLUMNE NR. 26 / MÄRZ 2009
Herbede und die Fastenzeit
Nach dem wohl auch der letzte Jeck seine Pappnase wieder abgenommen hat sind wir nun schon mittendrin in der Fastenzeit – auch in Herbede. Leider kennen immer weniger Menschen diesen Begriff und was mit ihm verbunden ist. Bei einer kleinen Umfrage meinerseits in der Meesmannstraße bekam ich zum Beispiel Antworten wie diese: „Dat kenn ich. Dat ist doch wenn du die Oma am Telefon sagen tust, dat du „fast Zeit“ gehabt hättest sie zu besuchen.“ Oder ein Werbetexter behauptete steif und fest: „das ist der neue Werbebegriff für den öffentlichen Nahverkehr im Ennepe-Ruhr-Kreis – „fast-EN-Zeit“ – schnell durch den Ennepe-Ruhr-Kreis.“ Auch der Verzicht von bestimmten Bequemlichkeiten und Genüssen in der Fastenzeit wird an vielen Stellen doch eher inkonsequent durchgeführt. Wie zum Beispiel von Ina B., einer eingefleischten Vegetarierin, die sagt: „Ich verzichte sieben Wochen auf Schnitzel!“ Oder auch Hubert M., der sieben Wochen lang kein Auto fährt. Hört sich gut an, doch wenn man ein zweimonatiges Fahrverbot verhängt bekommen hat ist dies nicht wirklich eine Kunst. Dabei geht die Fastenzeit ja auf die Geschichte zurück, dass Jesus sich 40 Tage zurückgezogen hatte, um sich auch auf sein öffentliches Auftreten vorzubereiten. Was wären das heutzutage für neue Möglichkeiten, allein im Fernsehen! Man stelle sich nur einmal vor, Dieter Bohlen müsste für einen Tag im Fernsehen vorher vierzig Tage fasten, wobei mir das völlig egal wäre, ob mit oder ohne Margarine. Der Mann würde bei so einem Rhythmus nur neunmal im Jahr im Fernsehen auftauchen! Und das Gleiche müsste für diese ganzen Talkshow-Politiker-Junkies gelten, damit diese unleidige Phrasendrescherei mal aufhört. Mal vierzig Tage intensiv in so einer Fastenzeit nur über eine Frage nachdenken und dann eine vernünftige Antwort geben, anstatt sich permanent aus dem Koffer der besten Politikphrasen zu bedienen. Und überhaupt könnte Jede und Jeder in der Fastenzeit mal in sich gehen und sich fragen, was habe ich der Welt noch Wichtiges mitzuteilen. Dies würde für mich an dieser Stelle ja genau so gelten und deshalb sind die nächsten drei Sätze schweigen. ... ...... .... ........... .. ....... .. ............. .. .... ..... ..... ..... .... .... ...... ............. .. ..... ..... .......... ........ ............... ..... ........ ............... ..... ........ ......... ..... ........ .................. ...... .......... ...... ......... ........ ............... ..... ... ...... ...... ........ ...... ....... ....... ...... ...........
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Kleiner Hinweis zum Schluss. Falls Jemand jetzt nicht wissen sollte, welcher Frage man in der Fastenzeit für sich selbst mal nachspüren könnte: Sie oder Er könnte dann ja mal überlegen, welch tiefe Erkenntnis in den drei Schweigesätzen vorher hätte stehen können.