IMAGE KOLUMNE NR. 28 / MAI 2009

Herbede und die Abwrackprämie

Na, heute schon abgewrackt? Das könnte demnächst ja die komplett neue Begrüßungsformel in unserer Gesellschaft werden! Die Abwrackprämie wird vielleicht auch unser Leben in Herbede ganz neu gestalten! Wieso ich das jetzt meine? Weil die Abwrackprämie für Altfahrzeuge ja erst der Anfang eines völlig neuen Wirtschaftssystems ist.  Der alte Kapitalismus ist tot – es lebe der Abwrack-Kapitalismus und der bringt ja noch mehr Erträge als sein Vorgänger! Das kann man sich ja schon ganz einfach am aktuellen Beispiel ausrechnen: 2 Millionen Menschen beantragen die Autoabwrackprämie. Jeder davon bekommt 2.500,- Euro. Kostet mich als Staat 5 Milliarden Euro. Wenn jetzt 2 Millionen Antragsteller im Schnitt 15.000,- Euro für ein neues Auto ausgeben sind das (muss mal eben den Taschenrechner holen) 30 Milliarden Euro. Jetzt muss aber jeder Käufer 19% Mehrwertsteuer bezahlen und das wären für den Staat dann Einnahmen in Höhe von 5,7 Milliarden Euro. Glatte 700 Millionen Euro oder 14% Gewinn an der Sache! Das Faszinierende dabei ist ja, dass der Käufer auf der einen Seite glaubt, ein Schnäppchen gemacht zu haben und der Verkäufer (also hier der Staat) auf der anderen Seite kann sich als großzügigen Geber darstellen und trotzdem macht er noch Gewinn! Unter dem Strich sind also Beide zufrieden. Ich habe nur ein wenig Sorgen wenn dieses System auf andere Bereiche und damit auf unseren Herbeder Alltag durchschlagen sollte. Dann könnte ein normaler Markttag in Herbede demnächst so aussehen:

Frau B. will Fisch kaufen. Jetzt hat sie mitbekommen, dass es am Marktstand mit dem Fisch 10 Euro Abwrackprämie auf Altfisch gibt, der mindestens sechs Wochen sein Haltbarkeitsdatum überschritten hat. Den Altfisch gibt sie dort ab, erhält 10 Euro, weil sie frischen Fisch wieder einkauft. Dann geht sie zum Käsestand, weil es dort die Prämie für Alt-Camembert gibt. Sie gibt den seit zwölf Wochen abgelaufenen Käse ab, erhält die Käse-Abwrackprämie, weil sie neuen frischen Camembert einkauft. Danach geht es dann zum Obststand, um die seit Wochen dahin gammelnden Bananen abzuwracken. Sie kassiert die Altbananen-Abwrackprämie, weil sie ja neue Bananen einkauft. Danach geht es zum Stand mit den Backwaren. Dort wrackt sie den seit acht Wochen vor sich hinschimmelnden Altkäsekuchen ab, kassiert die Prämie und kauft einen neuen Käsekuchen. Diese Kette ließe sich problemlos fortführen. Auf jeden Fall hat Frau B. jedes Mal bei ihrem Einkauf das Gefühl, dass sie ein Schnäppchen macht, zumal sie seit geraumer Zeit keine Biotonne mehr braucht und somit auch noch die Abfallgebühren spart.  Allerdings sehe ich bei der ganzen Sache ein riesengroßes Problem. Den Geruch! Das wird ja wohl nicht ausbleiben, wenn ein paar hundert Menschen mit ihren abzuwrackenden Lebensmitteln durch die Gegend laufen. Aber falls dieses neue Abwracksystem wirklich kommen sollte muss man sich keine Sorgen machen. Ganz am Anfang des Marktes wird es dann einen neuen Stand geben. Dort werde ich dann stehen und werde meine Flaschen mit original abgefüllter Herbeder Marktluft aus dem Jahr 2009 verkaufen; schön gestaltet und mit dem peppigen Aufkleber „Ich hab die Nase voll“ – das ist doch dann mal eine richtig abgewrackte Idee!   

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Micki Wohlfahrt | info@kabarett-k3.de