IMAGE KOLUMNE NR. 32 / SEPTEMBER 2009
Herbede und der richtige Wa(h)l
Liebe Leserinnen und Leser! Ich weiß ja nicht wie es Ihnen momentan so geht, aber bei mir setzt sich ein Wort in den letzten Wochen im Gehirn fest: WAHL! Erst die Europawahl, dann die Kommunalwahl und jetzt die Bundestagswahl. Wahlplakate ohne Ende an jeder Straße, Wahlsendungen im Fernsehen, Wahlumfragen, Berichte über Erstwähler, Nichtwähler, Wechselwähler, Wähler(innen) in den Wechseljahren usw. Aber dann sitzt man eines Abends ahnungslos vor dem TV-Gerät und sieht plötzlich nichts über WAHLEN, sondern einen Beitrag über WALE, also Säugetiere, welche die großen Meere und Flüsse auf unserem Planeten bewohnen. Meine Schaltzentrale im Gehirn war darüber so irritiert, dass es wohl die ganze Nacht gebraucht hat, die WAHL und die WALE in den richtigen Schubladen des Gehirns unterzubringen. Und wenn man dann so morgens kurz vor dem Aufstehen so halbwach ist – dann bekommt man ja so ein Chaos, also so einen Sortierversuch des Gehirns, noch mit. Beim Frühstück sitzt man dann da und denkt sich, was bist du gerädert und was hast du da wieder für einen Mist geträumt? Dies war dann bei mir auch der Fall – also mit den WAHLEN und den WALEN.
Es waren wunderbare Bilder in meinem Kopf. Da sehe ich Jörg Schönenborn vom ARD-Wahlstudio sitzen, wie er gerade eine Graphik über den POTTWAL einblendet um dann zu analysieren, wie das Ruhrgebiet gewählt hat. Szenenwechsel. Gesprächsrunde mit führenden Parteienforschern, die sich über das Verhalten des BLAUWALS unterhielten und darin eine Gefahr für unsere Demokratie sahen. Der BLAUWAL war hier der Nichtwähler, der am Wahltag mal wieder Blau gemacht hatte. Szenenwechsel. Ein interessanter Bericht über den GRÖNLANDWAL in meinem Kopf, der sich leider als Archivmaterial über den Besuch von Angela Merkel und Sigmar Gabriel auf Grönland herausstellte. Szenenwechsel. Ein Fischer an der Küste gibt in einem Interview zum Besten, dass der BLUBBER ihn mächtig nervt. „Ach“, dachte ich noch so bei mir, „der kann das GEBLUBBER von hohlen Wahlkampfphrasen auch nicht mehr hören“! War aber falsch. Der Mann war Walbeobachter gewesen und bei jedem Anblick eines Wales mit seinem BLUBBER (so wird die Fettschicht des Wales genannt) hatte er die Worte seiner Frau im Ohr, die ihn permanent aufforderte endlich was gegen sein Übergewicht zu tun. Szenenwechsel. Der von mir ursprünglich gedanklich einsortierte Bericht über die GLATTWALE stellte sich kurz darauf als Gesprächsrunde der Generalsekretäre der im Bundestag vertretenen Parteien dar, die in gewohnter Weise aalglatt ihre Wahlverluste in große Siege ummünzten. Ebenso verkehrt einsortiert war der Bericht über die ZWERGWALE, handelte es sich doch hierbei um einen Bericht über Parteien, die an der 5%-Hürde gescheitert waren. Szenenwechsel. Als ich dann schließlich die Expertenrunde, welche die Gründe für das zustandegekommene Wahlergebnis erläuterten, mit einer Gruppe von GRÜNDELWALEN verwechselte, wurde ich endlich wach. Gott sei dank. Aber zumindest weiß ich jetzt, welcher Partei ich meine Stimme geben werde! Es wird die Partei sein, die in ihrem Wahlprogramm die Forderung aufstellt, dass Fernsehsender in Wahlkampfzeiten keine Walsendungen senden dürfen – zum Schutz des Wählers, damit dieser am Wahltag auch ausgeschlafen zur Wahl gehen kann!