IMAGE KOLUMNE NR. 40 / APRIL 2010
HERBEDE UND DIE IDEE AUS DEM OSTEN
Eigentlich wollte ich nicht schon wieder was rund um das Thema „Löcher“ schreiben. Aber manchmal lohnt es sich ja über den Tellerrand zu gucken und dabei tut sich manchmal ein großes Loch auf und man fragt sich erstaunt: „Wat is dat denn?“. Vor allen Dingen lohnt es sich dabei Richtung Osten zu schauen, gerade wenn es um das Thema „der nicht enden wollende Winter und seine Folgeerscheinungen“ geht. Dabei geht es dann aber nicht um die aus dem Osten kommenden kalten Luftmassen auf dem Strömungsfilm der Wetterkarte, nein, es geht um heiße Ideen aus dem Osten zur Behebung der Schäden durch den kalten Winter. Ich sage nur: Niederzimmern! Ein großartiges kleines Dorf in Thüringen mit einer tollen Idee! Auf der Internetseite dieser Gemeinde wird den Bürgern ein originelles Angebot gemacht: unter dem Slogan „Teer muss her!“ kann man sich für 50,- Euro ein eigenes Schlagloch auf einer Straße in Niederzimmern kaufen! Wirklich kein Scherz! Alle Zweifler können gerne im Internet nachschauen unter www.niederzimmern.de. Das Beste an dieser ganzen Aktion ist dann noch, dass man für den Kauf dieses Schlaglochs eine Plakette bekommt, mit Namensnennung, die man in den vier eigenen Wänden vielleicht neben dem Bild von Dürer mit seinen „Betenden Händen“ aufhängen kann oder noch besser: die Plakette wird direkt in die Straße eingelassen, an die Stelle, wo vormals das Schlagloch war. Ich vermute schon jetzt, dass die Touristikindustrie komplett umsteuern wird und nicht mehr Reisen zum „Walk of fame“ nach Hollywood anbieten wird, sondern Reisen nach Niederzimmern zur „Allee der Schlaglochplaketten“. Auf jeden Fall sollten wir in Herbede und Heven diese grandiose Idee aufnehmen, denn das Grundmaterial „Schlagloch“ ist doch reichlich vorhanden.
Allein die Idee, ein Schlagloch zu verschiedenen Anlässen verschenken zu können ist doch schon reizvoll. „Schatz“, sagte der Ehemann, „lass uns zur Wittener Str. gehen. Ich habe dir dort ein Schlagloch gekauft und dort wo das Schlagloch war ist jetzt eine Plakette im Teer mit deinem Namen worauf zu lesen ist: Für meinen Schatz Lisbeth, deren Klappe noch größer ist als dieses Schlagloch je war!“. Man hilft somit nicht nur bei der Sanierung der Straßen, man bringt damit auch gleichzeitig wieder Dynamik in die Beziehung. Diese ganze Aktion wird ein Renner! An den Wochenenden kommen Tausende von Touristen, um über den „Walk of hole“ in Herbede und Heven zu gehen! Die Straßen müssten auf Grund der Besuchermassen für den Autoverkehr gesperrt werden! Imbissbuden und Getränkestände würden aufgebaut und für die Kinder gäbe es Spielattraktionen! Die Anfragen zum Kauf eines Schlagloches würden bald das Angebot an Löchern übersteigen, so dass der städtische Bauhof nachts heimlich ausrücken müsste, um neue Schlaglöcher in die Straße zu hauen! Die ganze Aktion „Loch stopft Loch“ würde ein Riesenerfolg! Der Verkauf der Schlaglöcher ließ das städtische Haushaltsloch verschwinden und wir könnten dann wieder Straßen ohne Schlaglöcher bauen! Bloß – das wäre ja total kontraproduktiv von wegen Einnahmen! Und somit gilt wieder die alte Ruhrgebietsweisheit: „Watte machs machse verkehrt“ – selbst bei Ideen die aus dem Osten kommen!