IMAGE KOLUMNE NR. 48 / DEZEMBER I 2010
Herbede und die neue Zeitrechnung
Liebe Leserinnen und Leser! Die nachfolgenden Zeilen beschreiben nicht nur verwirrende Gegebenheiten in unserer Stadt, sie können auch selbst zur Verwirrung führen. Aber der Reihe nach. In Teilen der Wittener Presse las ich neulich, dass ein traditionell stattfindender Martinszug am 5. November stattfand. „Was hast du wieder nicht mitgekriegt?“, fragte ich mich, da ich mir ja seit Jahrzehnten sicher bin, dass St. Martin am 11. November mit Laternenumzug usw. zelebriert wird. Mir war daher nicht klar, ob St. Martin nur dieses Jahr oder generell um sechs Tage im Jahr vorverlegt worden war. Ich konnte mir auch nicht die Frage beantworten, ob nun automatisch alle traditionellen Feste und Feiertage um sechs Tage vorverlegt worden waren. Meine leichte Verwirrung sollte aber ein paar Tage später in einer kompletten Verwirrung enden. Da las ich wiederum in Teilen der Wittener Presse, dass der Wittener Weihnachtsmarkt am 18. November eröffnet würde und zwar mit einem Nikolausumzug(!). Aus langjähriger Erfahrung ist mir bekannt, dass Weihnachten ziemlich kontinuierlich an einem 25. Dezember im Jahr gefeiert wird. Das hieß also, dass dieser Weihnachtsmarkt 37 Tage vor Weihnachten eröffnet würde, also quasi ein „Vorweihnachtsmarkt“ wäre. Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass die Eröffnung vor dem Totensonntag passiert (dem letzten Sonntag im Kirchenkalender, also so ähnlich wie Silvester am Ende des Jahres) und nicht an dem ersten Sonntag des neuen Kirchenjahres, dem 1. Advent (wobei Advent auch kein Weihnachten ist, thematisch aber dichter dran ist als Totensonntag, aber der 1. Advent auch noch 27 Tage vor Weihnachten läge) und dann bei der Eröffnung des Weihnachtsmarktes am 18. November auch noch ein Nikolausumzug stattfindet, also 18 Tage vor dem eigentlichen Nikolaustag am 6. Dezember – was wollte ich sagen? Ach ja, ich war verwirrt! Sofort stellte ich mir die Frage, was mit der Vorverlegung der anderen Feiertage und traditionellen Feste ist: Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt oder Erntedank? Und welcher dieser Tage würde um 6 Tage, welcher um 18 Tage, welcher um 27 Tage und welcher um 37 Tage vorverlegt? Kann es bei diesem System theoretisch eigentlich vorkommen, dass auf einmal alle traditionellen Feste und Feiertage dann auf einen einzigen Tag fallen? Wie soll so etwas dann aussehen? Müssen die Kinder dann ihre mitgebrachten Erntegaben unter dem Weihnachtsbaum abstellen, um dann die Ostereier aus den Osternestern im Weihnachtsbaum herauszuholen, bevor sie dann die unter dem Weihnachtsbaum abgestellten Nikolausstiefel einsammeln, um dann abschließend vollbepackt mit ihrer brennenden Laterne um den Weihnachtsbaum zu laufen und zu singen: „St. Martin, St. Martin?“ Ich bin schon wieder verwirrt. Wobei die ganze Sache einen Vorteil hätte: wenn es ein Vorverlegungssystem für Festtage gibt, muss es auch ein „Auf-später-Verlegungssystem“ für private Feiertage wie Geburtstage oder Hochzeitstage geben, als Ausgleich! Das käme ja dann vor allen Dingen den Männern entgegen. Sätze von Ehefrauen wie „Du hast unseren Hochzeitstag vergessen!“ könnten dann locker von Männern gekontert werden: „Nee Schatz, der Hochzeitstag ist doch dieses Jahr 37 Tage später als sonst!“