IMAGE KOLUMNE NR. 46 / OKTOBER 2010
Herbede und das Präsentieren
Manche Sachen können mit der Zeit richtig nervig werden. Nun gut, dass die Fernsehwerbung hin und wieder von Sportsendungen, Kochshows, Spielfilmen oder sogenannten Doku-Soaps unterbrochen wird, da dürften sich ja die meisten Betroffenen anscheinend daran gewöhnt haben. Was mir aber in letzter Zeit immer mehr auffällt ist der Punkt, dass im Fernsehprogramm, aber nicht nur da, immer mehr Sendungen „präsentiert“ werden. Beispiele: das Fußball-Länderspiel wird präsentiert von Schädelbräu; die Kochshow wird präsentiert von „Knallhartosan – damit der Durchfall keine Chance hat“ oder der Spätspielfilm am Montag wird präsentiert von „Schnarchoforte – der Schlaftablette im Dreivierteltakt“ und dazu sieht man dann einen mehr oder weniger ansprechenden Werbeclip. Liebe Fernsehmacher, besonders im öffentlich-rechtlichen Bereich: ich möchte diese Sendungen nicht mehr präsentiert bekommen, weil das Präsent ein Geschenk ist, ich dieses Geschenk aber nicht haben will, weil ich schon Fernsehgebühren bei der GEZ bezahlt habe (dies ist kein Scherz!). Da dieses präsentieren vor all diesen Fernsehsendungen mittlerweile aber fast überall präsent ist (also gegenwärtig, anwesend), soll es wohl nur den Zweck haben, dass ich das Präsentierte beim nächsten Einkauf wieder präsent habe, also die Fähigkeit habe, mich an etwas bestimmtes zu erinnern, am besten natürlich das präsentierte Produkt. Liebe Fernsehmacher! Vielleicht darf ich als alternder Konsument hier noch einmal meinen Standpunkt deutlich machen. Für einen 90-minütigen Spielfilm möchte ich eigentlich auch nur 90 Minuten verwenden, mit abnehmender Lebenszeit muss man sich das gut einteilen. Um einen 90-minütigen Film aber heutzutage anzuschauen, muss ich mindestens, wegen Werbung und Präsentation, 120 Minuten einplanen. Nach zehn angeschauten Spielfilmen habe ich also zehnmal 30 Minuten verschenkt – das sind fünf Stunden! Und jetzt überlegen Sie mal, was ich in den fünf Stunden alles hätte einkaufen können! Aber durch diese Überlängen hat man ja gar keine Zeit mehr zum Einkaufen! Ein zweiter Punkt sei ergänzend angemerkt. Dieses präsentieren setzt ja auch Trends außerhalb des Fernsehens. Schon jetzt gibt es Veranstaltungen unterschiedlichster Art, wo ich mir vorher anhören muss, von wem sie präsentiert werden. Wo soll das alles enden? Muss ich demnächst, wenn ich das Wort HERBEDE schreibe, dann auch immer erwähnen. „Herbede wird präsentiert von WC-FRISCHFLOTT – damit ein frischer Wind im Stadtteil weht!“? (Anmerkung: noch ist der Präsentationsvertrag nicht unterschrieben). Wird es vielleicht in zehn Jahren so kommen, dass mein Patenkind am letzten Schultag vor mir steht, das Schulzeugnis in der Hand, und sagt: „Lieber Patenonkel! Das heutige Zeugnis wird präsentiert von DESASTER – ihrem Nachhilfeunterricht im Ort!“? Ich möchte das alles nicht – es sei denn, jeder Fernsehzuschauer über 50 Jahre erhält jährlich von jedem Fernsehsender für das Inhalieren unzähliger Präsentationen im Fernsehprogramm einen fetten Präsentkorb!