IMAGE KOLUMNE NR. 45 / SEPTEMBER 2010

Herbede und das Striet Wuing

Da ist ja mal wieder viel Aufregung in der Luft, auch in Herbede! Und alles nur, weil diese Menschen von dieser Internetfirma mit Autos durch die Dörfer fahren und alles fotografieren, was irgendwie nach Haus an einer Straße liegend aussieht – STRIET WUING heißt das neue Zauberwort. Das Ergebnis soll dann ja mal irgendwann sein, dass du dir im Internet dann jedes Haus in jeder Straße so angucken kannst wie es in echt auch wirklich aussehen tut. Das wollen aber jetzt einige Menschen nicht im Internet haben. Wie zum Beispiel mein alter Kollege Heinz. Ich dachte erst der wäre dagegen, weil er nicht soviel Elend von aussterbenden Innenstädten sehen kann oder das bei dem Anblick eines gepflegten Eigenheimes seine Gartenzwerg-Allergie wieder ausbricht. Ist aber beides nicht der Grund. Heinz macht sich Sorgen um den Datenschutz. Da war ich ja erst mal verblüfft. Ausgerechnet Heinz macht sich Sorgen um den Datenschutz, der ganze Fotostorys von Ballermannurlauben auf seiner Homepage veröffentlicht hat; permanent seine Payback-Card benutzt und an jedem öffentlichen Ort mit seinem Handy dermaßen laut telefoniert, dass du nach spätestens drei Tagen die komplette Lebensgeschichte des Heinz in einem 600 Seiten starken Roman niederschreiben könntest.  Nach einem längeren Gespräch habe ich dann aber herausgefunden, dass der Datenschutz bei Heinz doch nur vorgeschoben war. Der wahre Grund ist, dass er Angst vor seiner Mutter hat! Die könnte dann ja jeden Tag ins Internet gehen und sein Haus angucken und dann würden jeden Tag die Anrufe kommen: „Junge, die Blumen im Wohnzimmerfenster brauchen Wasser!“ oder „Junge, die Biotonne wird erst nächste Woche abgeholt, stell die wieder weg!“ oder „Junge, die Gardinen im Schlafzimmer müssten unbedingt mal gewaschen werden!“ oder „Was für zwei Frauen waren gestern drei Stunden in deiner Wohnung, ich habe genau gesehen, dass die nicht von den Zeugen Jehovas waren!“. Ich habe meinen Kollegen Heinz dann aber erst mal beruhigt und habe ihm erklärt, dass das mit dem STRIET WUING ja erst der Anfang wäre. Herbede wäre jetzt zum Modelldorf für jegliche Art von WUING ausgewählt worden. Da kommen noch ganz andere Sachen! Demnächst würden dann nämlich von dieser Internetfirma Mitarbeiter mit Fotokameras auf dem Kopf vor seiner Haustüre stehen und noch ganz andere Dienste anbieten wie zum Beispiel: FRISUR-WUING – eine Panoramaaufnahme von 360° Grad von deinem Haarschnitt und ich sag Heinz, wenn das deine Mutter im Internet sieht ruft die nicht an, die schickt sofort per Eilboten 30 €, damit du dich neu stylen lässt! Eine andere Sparte wäre das KÜHLSCHRANK-WUING. Ein Mitarbeiter dieser Firma nimmt mit seiner Rundumkamera das Innenleben deines Kühlschrankes auf und ich schwöre dir in die Hand, ein 360° Grad Panoramarundblick durch einen leeren Kühlschrank lässt jedes Mutterherz innerhalb von Augenblicken dahinschmelzen. Das was Heinz dann komplett beruhigt hat war der Punkt, dass ich ihm von der Einführung des GELDBÖRSEN-WUING erzählt habe. Ein Mitarbeiter filmt im 360° Panoramarundblick seine permanent leere Geldbörse und auch da wird mütterliche Hilfe vermutlich nicht lange auf sich warten lassen. Ich war auf jeden Fall froh, dem Kollegen Heinz seine Angst nehmen zu können. Jetzt muss ich nur noch die Internetfirma überzeugen, dass sie die von mir erfundenen WUINGS auch schnell einführen. Aber da mach ich mir keine Sorgen. Die sind ja in der Regel schon weiter mit ihrem Denken als du es dir vorstellen kannst!  

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Micki Wohlfahrt | info@kabarett-k3.de