 |  |  | 
IMAGE KOLUMNE NR. 57 / AUGUST 2011
Herbede und das Ding mit der Postleitzahl
Liebe Leserinnen und Leser! Fangen wir heute einmal so an. Je größer der Laden, desto interessanter die Postleitzahl. Also jetzt nicht die Postleitzahl vom Laden, sondern das Interesse des Ladens, die Postleitzahlen von uns Kunden zu erfahren. Diese Tatsache allerdings geht mir mittlerweile komplett auf den berühmten Senkel! Da lob ich mir doch die gute alte Zeit meiner Kindheit und die damaligen Einkäufe in „unserem Tante-Emma-Laden an der Ecke. Unsere „Tante Emma“ hat uns nie nach unserer Postleitzahl gefragt. Wäre auch totaler Blödsinn gewesen, denn die wusste ja nicht nur wo wir wohnten, sondern die wusste auch wie es in der Wohnung aussah – und nicht nur das! Meistens packte sie die entsprechenden Kaufartikel schon aus dem Regal, bevor du als Kind anfingst deinen zerknitterten Einkaufszettel vorzustottern. Und wenn der Einkauf an einem Tag in der Letzten Woche eines Monats stattfand fügte Sie von selbst den Satz hinzu: „Haste bestimmt kein Geld mit Kind, macht nix, ich schreibe es auf, bezahlt ihr am nächsten Ersten, Gruß an die Mama!“. Aber nun zurück zum Thema das lautet: „Einkaufen und an der Kasse gefragt werden, welcher Postleitzahl man denn zugehörig ist!“. Um es gleich vorne weg zu sagen, ich mache das nicht mehr mit! Wenn man doch weiß, was mit diesen Daten in Verbindung mit dem Kassenbon und der Art der Bezahlung gemacht wird – nee, ich bin doch nicht blöd – um es mal treffend mit einem Werbeslogan zu formulieren. Als bekennender „Postleitzahlenmitteiler-Boykotteur“ habe ich mich anfangs damit begnügt, auf die Frage nach meiner Postleitzahl mit „nein“ zu antworten. Doch mittlerweile gehe ich bei dieser Frage komplett in die Offensive. Da gibt es nämlich verschiedene Möglichkeiten. Antworten Sie doch zum Beispiel einfach mal auf die Frage nach ihrer Postleitzahl mit „01369“. Das kommt hier bei uns in der Gegend bei jeder Kassiererin an der Kasse großartig an. Vermutlich bekommen Sie dann direkt von ihr die Rückfrage: „Wo ist das denn?“. Dann antworten Sie ganz souverän: „Dresden!“. Noch spannender können Sie es aber machen, wenn Sie mit nicht so bekannten Orten antworten, zum Beispiel „Templin“, was in Brandenburg liegt und die Postleitzahl 17268 besitzt. Oder versuchen Sie es mal mit 94127. Auch Neuburg am Inn ist ein schönes Städtchen in Bayern. Natürlich sollten Sie dann einige Daten der genannten Städte parat haben, wegen der Glaubwürdigkeit. Für alle Fortgeschrittenen (und gerade bei sehr langen Schlangen an der Kasse) empfehle ich folgendes Antwortenspiel: „Ach, Sie wollen meine Postleitzahl wissen!? Soweit ist es schon gekommen. Nur weil ich heute nur Kleinartikel für unter 20 Euro eingekauft habe! Ich weiß dass Sie die Daten weitergeben und das Einfluss auf die Kredithöhe in meinem Postleitzahlenbezirk hat! Wissen Sie was? Vergessen Sie es!“. Der richtige Spaß nach dieser verbalen Auseinandersetzung kommt aber erst nach dem Bezahlen. Beobachten Sie dann mal die zwanzig nachfolgenden Kunden an der Kasse. Sie glauben gar nicht, wie viele Kunden auf einmal ihre Postleitzahl nicht mehr nennen wollen! Übrigens: wenn Sie auch mal Spaß daran haben sollten, solche Erhebungen komplett durcheinander zu bringen, dann lassen Sie uns mal mit fünfzig Leuten an einem bestimmten Tag in einem Laden verabreden. Alle kaufen dann nur ein paar Batterien und geben die Postleitzahl von Templin in Brandenburg an. Das wird an anderen Tagen ein paar Mal wiederholt und vielleicht kann man dann ja mal irgendwann lesen: „Wegen der großen Nachfrage neuer Batteriefachmarkt in Templin eröffnet!“ Man muss als Kunde sich einfach sagen: Wirtschaftsförderung kann kreativ sein und kann auch noch Spaß machen!
|
 |
|  |
|  |
Top 
Micki Wohlfahrt | info@kabarett-k3.de  |