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IMAGE KOLUMNE NR. 51 / FEBRUAR 2011
Herbede und die Garantie
Das Leben ist kompliziert. Keine neue Erkenntnis, aber es ist schon erstaunlich, dass man die Kompliziertheit auch an Orten antrifft wo man sie erst einmal nicht vermutet hätte. Die Geschichte begann so: Steinschlag in der Frontscheibe meines PKW. Da musste also eine neue Frontscheibe in mein schon betagtes Auto eingebaut werden. Gut das es hierfür Spezialfirmen gibt und der Austausch der Scheibe funktionierte auch völlig problemlos. Ich bezahlte die Rechnung und ich bekam noch die Information, dass es von Seiten der Firma auf den Einbau der Scheibe mehrere Jahrzehnte Garantie gibt. So weit – so gut. Allerdings lässt mich seitdem ein Gedanke nicht mehr los: es ist toll mehrere Jahrzehnte Garantie auf seine eingebaute Frontscheibe im Auto zu haben, aber mein Auto wird auf Grund seines Alters in zwei Jahren gar nicht mehr über den TÜV kommen. Ich müsste mein Auto verschrotten lassen mit dem Wissen, dass ich noch jahrzehntelange Garantie auf meine Frontscheibe gehabt hätte, ein unerträglicher Gedanke. Ich kann doch nicht jahrzehntelange Garantie einfach verschrotten lassen! Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich nun mit Mitarbeitern dieser Firma an einem runden (Glas-)tisch sitzen, damit wir für dieses Problem eine Lösung finden. Der erste Vorschlag meinerseits an die Runde, die jahrzehntelange Garantie auf mein komplettes altes Auto zu übertragen, fand, außer bei mir, nur Ablehnung nach dem Motto: „Herr Wohlfahrt, ihre Absicht dahinter ist ja so durchschaubar wie die Fensterscheiben unserer Autos!“ Außerdem gab man mir zu verstehen, dass sich diese Garantie nur auf die Dienstleistung des ordnungsgemäßen Scheibeneinbaus bezieht. Eine von mir wie auch immer geartete Zerstörung der Scheibe würde ebenfalls nicht unter die Garantie fallen. Meine Verhandlungsposition wurde noch enger, nachdem auch mein Vorschlag „Gutschein für jahrzehntelang nicht in Anspruch genommene Garantie“ vom Tisch war. Letztendlich war die Quintessenz der Gesprächsrunden, dass die Garantie also nur für ein Fahrzeug galt und wenn ich die Scheibe mit Rahmen in einen anderen fahrbaren Untersatz einbauen würde, könne man sich eine Aufrechterhaltung der Garantie von Seiten der Firma vorstellen. Jetzt war bei mir aber guter Rat teuer. In meinen neuen Wagen einbauen würde keinen Sinn machen – aber was dann? Seit gestern habe ich aber nun die Lösung gefunden. Meine Fahrzeugscheibe inklusive abgeflextem Rahmen wird in zwei Jahren das neue Wohnzimmerfenster in meiner Schrebergartenlaube! „Äh – seit wann ist eine Schrebergarten-laube ein Fahrzeug?“ höre ich schon so Manchen fragen. Aber aufgepasst! Wir in Deutschland leben ja auf der eurasischen Kontinentalplatte, die sich ja permanent bewegt, man könnte auch fahren sagen. Und meine Schrebergartenlaube ist dann quasi der Führerstand dieser fahrenden Kontinentalplatte und zack bleibt meine Garantie auf die Fahrzeugscheibe bestehen! Clever oder!? Wie? Ein wenig verrückt? Aber jetzt mal im Ernst: ist doch nicht wesentlich verrückter als jahrzehntelange Garantie auf Autofensterscheiben für Autos zu geben, die in zwei Jahren gar nicht mehr durch den TÜV kommen – oder?
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Micki Wohlfahrt | info@kabarett-k3.de  |