IMAGE KOLUMNE Nr. 59 / OKTOBER 2011
Herbede und das Rettungspaket
Liebe Leserinnen und Leser! Ich blicke zum wiederholten Male nicht mehr durch! Diese ganze Sache mit Griechenland, deren Schulden und unseren Schulden, Rettungspaket, Euro und vor allen Dingen den nervösen Börsen. Deshalb an dieser Stelle einmal ein Gastkommentar meines deutsch-griechischen Schwippschwagers MIKOLOS KOSMOLIKIKOS. Der hat nämlich den Durchblick weil er beide Seiten kennt. Außerdem hat er Wirtschaftswissenschaft studiert – unter anderem im Restaurant „Mykonos“ in Erlangen, im „Bauernstübchen“ in Paderborn und in der Eckkneipe „Deutsche Eiche“ in Traben-Trabach. Er ist also nicht nur ein Fachmann und guter Analyst der Situation, nein, er hat auch eine Vision zur Lösung des Problems. Hier nun sein Kommentar zur aktuellen Situation:
Kalinichta! Kommen wir sofort zum Thema. Ein großes Problem in der derzeitigen Situation ist das Kundtun von Äußerungen. Jede unbedarft ausgelaufene Sprechblase von Politikern (sog. verbale Inkontinenz) kann die aufgestaute Finanzblase (sog. fiskalischer Blubb) zum Überlaufen oder gar Platzen bringen. Da hilft dann auch kein Granufink mehr für weniger Müssen müssen. Die Kanzlerin zum Beispiel muss dann schweigen, aber nicht zu lange. Sie muss aber sofort reden, wenn der Vizekanzler redet, obwohl der schweigen sollte. Den muss sie dann zusammenfalten wie einen Origami-Politiker (was nichts mit dessen asiatischer Herkunft zu tun hat), damit der nicht redet sondern schweigt. Aber der Vizekanzler muss jetzt was reden, weil sonst seine Partei demnächst nichts mehr zu sagen hat – dann ist da nämlich das Schweigen der Lämmer und das wäre für seine Partei ein großes Dilämmer! Die Kanzlerin allerdings ist ja nun Pastorentochter und die weiß in einer solchen Situation: am Anfang ist das Wort und wenn sie noch ein wenig regieren will muss sie den Moment der berühmten letzten Worte, wie z. B. „Isch habe fertig!“, möglichst lange herauszögern. Deshalb lauten ihre Devisen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Mit diesem einen Satz beruhigt sie zum Beispiel die Börsen und was passiert? Der Goldpreis steigt! Eine andere Devise der Kanzlerin ist das Schweigen am Morgen, denn sie weiß: Morgenstund hat Gold im Mund! Und wenn der Goldpreis dann ganz hoch ist kommt ein Gesetz, wo wir Wähler per Gesetz verpflichtet werden, unseren goldenen Zahnersatz an den Staat abzugeben zur Tilgung der Schulden. Damit das klappt werden die Börsianer für zwei Jahre ruhig gestellt und erhalten per Verordnung tägliche Valiumdosen. Dadurch schlägt der Börsenkurz weder nach oben und unten aus, er bleibt für zwei Jahre einfach eine konstante Gerade. Der tägliche Börsenbericht im Fernsehen löst dann auf Grund seines meditativen Charakters das „Wort zum Sonntag“ ab und trägt zur Gesamtberuhigung der Situation bei. Ergänzend wird dann für zwei Jahre die Solidaritätsabgabe „Aufbau Greek“ eingeführt und nach zwei Jahren sind alle Probleme gelöst! Dann gibt es ein großes Fest und selbst unser Bundespräsident nebst Gattin wird dann zum Gelingen des Festes beitragen, wenn Beide in bester Walter-Scheel-Manier als „Aneta & Stavros“ alte griechische Schlager wie „Stern von Mykonos“ oder „Akropolis adieu“ präsentieren.
Ich bin es noch mal, der Micki. Wer jetzt Zweifel an den Aussagen meines Schwippschwagers haben sollte, hier noch eine alte Börsenweisheit: „Ein Analyst ist ein Experte, der morgen wissen wird, wieso die Dinge, die er gestern prognostiziert hat, heute nicht eintreffen.“